Daniel Ashley Pierce: Verstossen von seiner Familie, weil er schwul ist

Seit wenigen Tagen kursiert im Internet ein schockierendes Video. Es handelt sich um eine Aufnahme, die ein Junge namens Daniel Ashley Pierce während eines Streits in seiner Familie mit dem Handy aufgezeichnet hat.

„Daniel, zu Beginn will ich dir sagen, dass ich dich liebe“, beginnt seine Stiefmutter das Gespräch. „Schon als du noch ein kleiner Junge warst, wusste ich, dass du schwul bist“. Daniel entgegnet Ihr: „Dann weisst du ja auch, dass es keine Entscheidung war?“ – „Nein“, antwortet Sie, „du kannst es verleugnen wie du willst, aber ich glaube an das Wort Gottes, und Gott erschafft niemanden auf diese Weise. Du hast dir diesen Weg selber ausgesucht!“. Daniel erklärt Ihr, dass das nicht stimme. Er habe im Studium Fächer in Biologie und Psychologie belegt und es gelte als wissenschaftlich erwiesen, dass bereits wenige Wochen nach der Geburt feststehe, wie sich die Persönlichkeit eines Menschen entwickeln werde, einschliesslich seiner Sexuellen Orientierung. „Du kannst dein wissenschaftliches Zeug glauben, ich glaube an das Wort Gottes“, unterbricht sie ihn.

Dann folgt das Unfassbare. Mit kühler Stimme beschliesst sie: „Da du dich für diesen Weg entschieden hast, werden wir dich nicht weiter Unterstützen. Du wirst hier ausziehen und von nun an selber für dich sorgen. Ich lasse nicht zu, dass die Leute glauben, dass ich dein Verhalten unterstütze“. Zuerst reagiert Daniel scheinbar gelassen: „Ok, ich werde bis Donnerstag Mitternacht weg sein, wie klingt das?“ – „Alles klar“, schleudert sie zurück. „Du wirst mich nie mehr wieder sehen“, entgegnet Daniel. „Wenn das der Weg ist, den du wählen willst, dann ok“, antwortet sie. Daniel wird lauter: „Nein, ich wähle das nicht, ich tue, was du mir befiehlst zu tun. Und das zeigt, was für ein Mensch du bist. Das ist nicht sonderlich mütterlich“. Dann mischt sich die Grossmutter ein, mit einem verwirrenden Argument: „Ich habe schwule Freunde. Aber das sind Freunde – ich will so etwas nicht in meiner Familie haben“.

Als die Grossmutter Daniel beschuldigt, seinen Vater als Rassist bezeichnet zu haben, eskaliert die Situation. Alle beginnen, einander anzuschreien. Die Stiefmutter steht auf, schlägt Daniel und bezeichnet Ihn als ein  kleines Stück Scheisse. Da kommt Vater hinzu und schreit in an: „Du verfluchter Schwuler!“. Am Ende des Videos erniedrigt er Daniel mehrfach mit den Worten: „Du bist eine Schande. Ich bedaure, das sagen zu müssen, aber du bist eine Schande“.

Kein Einzelfall

Wer nun glaubt, hier handle es sich um einen Einzelfall in unserer heutigen, aufgeklärten Welt, der täuscht sich leider. Auch wenn nicht jedes Gespräch in dieser Form eskaliert, erleben viele Jugendliche in frommen Kreisen auch Heute noch ähnliche Formen der Ablehnung. Das Problem ist die blinde, undifferenzierte Auslegung der Bibel bei diesem Thema. Anstatt, sich wirklich gründlich mit der Thematik zu beschäftigen und die Gnade und Liebe von Gott zu uns Menschen ins Licht zu rücken, müssen sich Homosexuelle immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, dass sie für diese Gefühle selber verantwortlich seien. Oft wird Ihnen sogar die Bekehrung abgesprochen. „Wenn du dein Leben wirklich Jesus übergeben hättest, müsstest du jetzt nicht mehr homosexuell sein“, ist ein Satz, der immer wieder fällt und sich bestimmt schon viele betroffene Christen anhören mussten.

Menschen, die glauben, auf diese Weise richtig zu handeln, berufen sich oft auf Christliche Vorbilder, die sie in ihrer Meinung bestärken. Einer der angesehensten Pastoren in den USA ist Dr. John MacArthur. Ich halte selber viel von Ihm und schätze seine bekannte Studienbibel sehr. Aber kürzlich hat er mich schwer enttäuscht, als ich das folgende Video auf Youtube von Ihm fand: Video ansehen

MacArthur beantwortet hier die Frage, wie Eltern mit ihrem Sohn umgehen sollen, wenn er sich bei ihnen als schwul geoutet hat. Seine Ratschlag zu diesem Thema (abgekürzt):

„Wenn Ihr Sohn von sich selbst sagt, Christ zu sein, dann fällt sein Verhalten unter die schwerwiegendsten Vergehen. Gemäss Matthäus 18 muss man einen solchen Menschen auf seine Sünde aufmerksam machen. Bleibt er uneinsichtig, soll er aus der Gemeinde ausgeschlossen werden. Wenn er sich als Christ bezeichnet, müssen sie ihn isolieren und dürfen nicht länger Gemeinschaft mit ihm pflegen, auch nicht mit ihm zu Tisch sitzen und essen. Von einem solchen Menschen müssen Sie sich trennen und ihn dem Satan übergeben, wie die Schrift es sagt.“

Diese Botschaft hat mich schockiert. Klingt das für dich nach Evangelium? Glaubst du, dass Jesus diese Frage auch so beantwortet hätte? Wie um alles in der Welt kann ein weiser und gottesfürchtiger Mann wie John MacArthur mit einer so unbarmherzigen Kälte reagieren? Erinnern wir uns: Sind es nicht genau solche Schriftgelehrte und Phrarisäer – die Theologen der damaligen Zeit – die Jesus am schärfsten von allen kritisiert hat? Jesus hat immer und immer wieder betont, wie wichtig die Nächstenliebe ist, Barmherzigkeit, Gnade, Güte, Bereitschaft zur Vergebung. Und er hat mehrfach betont, dass wir Menschen nicht berechtigt sind, einander zu verurteilen. Wie kann man die Bibel so gnadenlos auslegen, dass man bereit wäre, Menschen dem Satan zu übergeben, die sich Ihre Situation nicht einmal selber ausgesucht haben?

Ich halte die Bibel für ein sehr wertvolles Buch. Sie lehrt uns viel über Gott, Jesus und uns Menschen. Sie ist die Basis unseres Glaubens. Ich bin aber überzeugt, dass sie – falsch eingesetzt – zu einer Waffe wird, die grossen Schaden anrichten kann. Gott hat uns einen Verstand gegeben, mit dem wir in jeder Situation weise Entscheidungen treffen können, die von Liebe und Geduld geprägt sind. Niemand von uns ist vollkommen und frei von Sünde. Ist es daher nicht besser, dass wir zu gnädig handeln, als zu gesetzlich und unbarmherzig?






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