3 Vorurteile gegenüber Homosexuellen

1. Homos sind pervers und sexsüchtig

Ein beliebtes Vorurteil, gerade in religiösen Kreisen. Viele Menschen glauben, für Homosexuelle drehe sich alles nur um drei Dinge: Sex, Sex und nochmals Sex. Gefangen in ihrer kranken sexuellen Desorientierung fallen sie, getrieben von einer überdurchschnittlichen Gierigkeit, lüstern über alles Gleichgeschlechtliche her, das auf zwei Beinen geht.

Vermutlich wird dieses Vorurteil primär durch unsere Medien geprägt. Wann immer in der Tagesschau ein Bericht über Schwule und Lesben über die Mattscheibe flimmert, werden Bilder gezeigt, die den meisten Homosexuellen nicht gerade schmeicheln: Betrunkene, kaum bekleidete Paradiesvögel knutschen sich gruppenweise durch Gay-Paraden und zeichnen uns ein schönes Bild davon, wie es anno dazumal in Sodom und Gomorra zu und her gegangen sein mochte.

Aber ist diese Übersexualisierung wirklich nur ein Problem unter Homosexuellen? Seit der sexuellen Revolution in den Sechzigern dürfte es unter Heteros nicht anders aussehen. Heute hüpft man ganz selbstverständlich zuerst einmal zusammen ins Bett, bevor eine ernsthafte Beziehung in Erwägung gezogen wird. Häufige Partnerwechsel sind ganz normal – man will sich ja nicht zu früh in irgendeiner Form festlegen. Meiner Meinung nach unterscheidet sich heute das sexuelle Verhalten zwischen homo- und heterosexuellen Menschen in keiner Weise mehr. Die Homos waren lediglich etwas früher auf der liberalen Schiene, was den Nährboden für dieses Vorurteil gebildet hat.

Natürlich hat man als Christ zu diesem Thema eine andere Sichtweise. Wir sehen die Sexualität als Geschenk Gottes, als eine Bereicherung für eine in Treue gelebte Beziehung. Mancherorts wird die Sexualität auch heute noch als etwas angesehen, dass ausschliesslich in die Ehe gehört, damit man sich nicht unnötig den Gefahren seelischer und körperlicher Verletzung aussetzt. Wenn sich heterosexuelle Christen an solchen Wertvorstellung orientieren, weshalb sollten das denn nicht auch Homosexuelle können? Es gibt keinen Grund zu glauben, Homosexuelle wären nicht in der Lage, einander Treu zu bleiben und die Sexualität mit gleicher Sorgfalt auszuleben, wie es christliche Heteros tun. Und das führt mich gleich zum nächsten Punkt:

2. Homos können nicht treu sein

Auch das habe ich oft gehört. Es fällt in die gleiche Schublade wie das erste Vorurteil, denn als Grund wird oft die auffällig hohe Partnerwechselfrequenz (Promiskuität) unter Homosexuellen genannt. Auch hier stellt sich mir die Frage, worin sich heutzutage Homosexuelle von Heterosexuellen unterscheiden. Hat sich nicht unsere gesamte Gesellschaft in diese Richtung entwickelt?

Dass es auch anders geht, beweisen mehrere mir bekannte, homosexuelle Paare, die seit vielen Jahren in treuen Beziehungen leben. Es wäre durchaus möglich. Aber diese Beispiele gehen in der Masse der anderen – sowohl auf homo-, wie auch auf heterosexueller Seite – leider unter.

3. Schwule sind allesamt verweiblichte, zickige Tucken

Zum Schluss noch ein witziges Vorurteil. Zugegeben: Für diese Meinung sind einige Homosexuelle in der Tat selber verantwortlich. Es gibt sie ja durchaus, die Mädels unter den Jungs, die sich schminken, kreischen und sich unter der Devise “proud to be gay” besser in Szene setzen als manch eine waschechte Frau.

Dass nun der durchschnittliche Otto Normalverbraucher dieses Bild auf alle Schwulen anwendet, ist ein normales Phänomen und ein verbreiteter Denkfehler. Wir sehen etwas, unser Gehirn verknüpft es zu Assoziationen und schon findet sich eine ganze Volksgruppe im selben Topf wieder. Schweizer zum Beispiel sind ja bekanntlich Meister in der Herstellung von Käse. Isst deswegen jeder Schweizer fast ausschliesslich Käse? Natürlich nicht. Aber genau so denkt manch ein Tourist, und ist dann ganz entsetzt, dass nicht jedes zweite Restaurant hierzulande eine Fondue-Bar ist.

Tatsächlich sind die meisten schwulen Männer geradezu unauffällig. Und wenn du bis heute geglaubt hast, persönlich keinen schwulen Mann zu kennen, darf ich dich hiermit eines besseren belehren: Du kennst garantiert mindestens einen! Er hat es dir bloss noch nicht erzählt.






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