Sind Homosexuelle pervers und sexsüchtig? Können Sie sich tatsächlich von Natur aus nicht treu sein? Und weshalb sind eigentlich alle Schwule so verweiblichte Tucken? Heute räume ich mit drei oft gehörten Vorurteilen auf.

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Seit wenigen Tagen kursiert im Internet ein schockierendes Video. Es handelt sich um eine Aufnahme, die ein Junge namens Daniel Ashley Pierce während eines Streits in seiner Familie mit dem Handy aufgezeichnet hat.

„Daniel, zu Beginn will ich dir sagen, dass ich dich liebe“, beginnt seine Stiefmutter das Gespräch. „Schon als du noch ein kleiner Junge warst, wusste ich, dass du schwul bist“. Daniel entgegnet Ihr: „Dann weisst du ja auch, dass es keine Entscheidung war?“ – „Nein“, antwortet Sie, „du kannst es verleugnen wie du willst, aber ich glaube an das Wort Gottes, und Gott erschafft niemanden auf diese Weise. Du hast dir diesen Weg selber ausgesucht!“. Daniel erklärt Ihr, dass das nicht stimme. Er habe im Studium Fächer in Biologie und Psychologie belegt und es gelte als wissenschaftlich erwiesen, dass bereits wenige Wochen nach der Geburt feststehe, wie sich die Persönlichkeit eines Menschen entwickeln werde, einschliesslich seiner Sexuellen Orientierung. „Du kannst dein wissenschaftliches Zeug glauben, ich glaube an das Wort Gottes“, unterbricht sie ihn.

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Fast vier Wochen lang habe ich an einem Artikel für meinen Blog gearbeitet, in dem ich die Problematik im Zusammenhang mit dem Umgang mit Homosexuellen Christen in Kirchen und Gemeinden hätte beleuchten wollen. Dabei wollte ich Pastoren und Gemeindeleitern Tipps geben, wie Sie mit Betroffenen einen besseren Umgang pflegen könnten. Aber ich musste abbrechen und die Datei bis auf weiteres im Ordner „Unvollendete Artikel“ verstauen, denn ich wollte mich primär an Christen wenden, welche die Bibel sehr traditionell und wörtlich auslegen. Nach stundenlangem Bibelstudium und diversen Gesprächen mit entsprechenden Personen musste ich jedoch feststellen, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht in der Lage bin, Argumente vorzulegen, die konservative Christen überzeugen könnten. Denn wenn man Homosexualität anhand der Bibel verurteilen will, kann man das problemlos tun. Genauso, wie man die Gleichstellung der Frauen untergraben oder die Haltung von Sklaven gutheissen kann. Jeder Versuch, die wenigen Bibelstellen, bei denen es angeblich um Homosexualität geht, anders bzw. differenzierter zu beleuchten, was durchaus möglich ist, wird sofort als „Verbiegung des Wort Gottes“ abgetan (mehr dazu in einem nächsten Artikel). Bislang konnte ich kein Argument finden, welches dieser „Killer-Phrase“ standhält. Ich glaube, dass das nicht nur ein Problem im Bezug auf Homosexualität ist, sondern ganz allgemein ein Knackpunkt für jegliche Glaubensfragen innerhalb der Gemeinde darstellt.

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Als reformierter Christ mit freikirchlichem Hintergrund war für mich von Anfang an klar, dass ich meine homosexuellen Gefühle auf gar keinen Fall akzeptieren kann. Die Haltung meiner Kirche und meines gesamten Umfeldes zu diesem Thema kannte ich genau: Homosexualität wurde – und wird vielerorts heute noch – als Fehlentwicklung oder gar Krankheit definiert, wodurch ein solcher "Lebensstil" als gewähltes, dauerhaftes Leben in der Sünde gilt, welches zwangsläufig in der Selbstzerstörung enden muss.

Als diese Gefühle im Laufe meiner Pubertät massiv stärker wurden, geriet ich zunehmend in Panik. Natürlich wendete ich mich mit meinem Kummer zuerst an Gott. Über Jahre hinweg betete ich nahezu täglich, dass Er mich doch von meiner Homosexualität befreien möge. Mit jedem zusätzlichen Lebensjahr wurde meine Angst vor der Zukunft grösser. «Wenn ich 18 jährig bin, will ich hetero sein!», setzte ich mir zum Ziel. Am 19. Geburtstag erhöhte ich die Deadline auf 20. Als ich schliesslich 22 jährig war und sich ein Abklingen meiner homosexuellen Neigung nicht im Geringsten abzuzeichnen schien, verlor ich auf einmal den Mut. Dunkle Wolken zogen auf, mein bis dahin sehr fröhliches Gemüt begann, sich in einen immer dichter werdenden Nebel zu hüllen. Im Frühjahr 2009 geriet ich in eine Depression, die durch andauernde und sehr konkrete Selbstmordgedanken meine Lebensfreude zu erlöschen drohte.

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Ich starte diesen Blog, weil ich nicht länger schweigen kann. Und obschon ich weiss, dass das, was ich hier preisgebe, mein Leben komplett auf den Kopf stellen kann, so habe ich letztlich doch keine andere Wahl als endlich meinen Mund zu öffnen und zu reden.

Mein Wunsch ist, dass Menschen von meiner Lebensgeschichte profitieren können. Dass ein schon lange verhärteter Disput zwischen mehreren Fronten aufgeweicht werden kann. Dass wir lernen, liebevoller miteinander umzugehen. Und dass durch diesen Blog vielleicht ein Mensch weniger Selbstmord begeht.

Mein Name ist Andreas. Ich bin ein gläubiger Christ. Und ich bin homosexuell.

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